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Chris Bleicher über ihre Hauskatze "Carmen"

"Carmen" ist eine spanische Straßenkatze und hat sich mich ausgesucht: Von einer italienischen Bekannten wurde ich in ihre Ferienvilla in Spanien eingeladen; die ebenerdigen Gästezimmer waren alle belegt: In der ersten Nacht sprang meine jetzige Katze "Carmen" zu mir ins Bett und besuchte mich dann jeden Tag. Zur Essenszeit kam die kleine Mieze in die Küche, hüpfte auf den Kühlschrank und die vier Hunde kuschten vor ihr. Wie sie dies schaffte, ist mir heute noch ein Rätsel. Nach meiner Abreise ging mir die Katze nicht mehr aus dem Sinn. Meine Bekannte nahm die Kleine nach den Ferien von Spanien nach Italien mit, wo sie sich jedoch nicht mit den Hunden vertrug. Ein Freund brachte mir "Carmen" dann in einer Nacht- und Nebel-Fahrt nach München.

"Carmen" wurde zuerst mal auskuriert, d.h. vom Verdacht auf Bandwurm, Ohrmilben und Mäuseflöhen befreit und später noch sterilisiert. Die ersten Tage und Nächte hatte ich natürlich große Angst um meine Kunst: ich fürchtete, daß die kleine "Wilde" mir Schaden anrichten könnte, was bis heute nicht der Fall war. Im Gegenteil: "Carmen" erstaunt mich nach vielen Jahren immer noch über ihre Art, Dinge, die mir wichtig sind, zu respektieren: Das heißt: Seit dem ersten Tag unseres Zusammenlebens verschont sie meine Kunst und meine Möbel mit ihren Krallen, springt auf keine Tische etc. ohne daß ich sie diesbezüglich besonders erziehen mußte - denn unser System funktioniert sehr einfach: Für eine Extra-Portion Futter kratzt "Carmen" besonders demonstrativ am Kratzbaum, den ich ihr von Anfang an zur Verfügung stellte. Selbst beim Spielen benutzt sie ihre langen Waffen nicht, auch wenn ich sie mal gegen ihren Willen festhalte. Was ich an ihr besonders mag ist, daß sie trotzdem ihr Köpfchen durchsetzt, wenn ihr etwas nicht paßt. "Carmen" schenkt mir durch ihre Präsenz und Art, wie wir zusammen kommunizieren, jeden Tag Glück, das nicht missen möchte.

"Carmen" entwickelte sich schnell zur Luxusmieze: am liebsten frißt sie rohes Fleisch, vor allem Putenschnitzel und natürlich Leber, die sie nur einmal im Jahr bekommt. Normalerweise erhält sie jedoch normales Dosenfutter und Brekkies im Wechsel. Mein Ex-Nachbar Klaus und ich betreiben seit Jahren - ich nenne es "Cat-Sharing": Wenn ich verreise und auch sonst ab und zu hat "Carmen" bei ihm ein zweites Zuhause in einer großen Penthouse-Wohnung mit Terrasse und am Wochenende geht sie bei ihm mit auf die Berghütte. Ich freue mich jedesmal, wenn ich "Carmen" wieder zurückbekomme und er ist happy, wenn er die Kleine abholen kann und die Mieze fühlt sich an beiden Orten wie zu Hause.

In meinem Künstleratelier ist "Carmen" die Prinzessin und wickelt vor allem männliche Besucher mit Leichtigkeit um ihre schwarze Samtpfote. Am liebsten schläft sie auf einem antiken Bänkchen im Edwardian-Stil, das schon einige Besucher käuflich erwerben wollten. Mit der Begründung: "Darauf schläft meine Katze!" lehnte ich dies jedoch immer ab. Ansonsten macht sie es sich in ihrer "Affenschaukel" (die Schlafmulde über dem Kratzbaum) bequem.

Und noch etwas: Nachdem ich meinen eigenen Sarg im Rahmen der Performance "Van Goghs Nacht" bemalte, erhielt auch Carmen" von mir bereits jetzt zu Lebzeiten eine besondere Liebeserklärung: Ich gestaltete ihre künftige Tierurne in pink mit echter Straußenfederboa und kleiner Spielzeugeidechse auf dem Deckel. Die Urne steht auf einem Podest mit pinkfarbener Neoninstallation. "Carmen" blieb danach noch viele Jahre quicklebendig bei mir, bis sie am 23. Oktober 2004 um 13.30 Uhr mit siebzehn Jahren verstarb.

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